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09. März '11

Musiker im digitalen Zeitalter

Das digitale Zeitalter ist gleichzeitig Fluch und Segen der Musik-Branche. Auf der einen Seite ist es so leicht wie nie eine breite Masse an Zuhörern über Portale wie Facebook, Myspace, Lastfm und diverse Internet-Radios zu erreichen oder kurzer Hand einen Schwung Bewerbungen an Labels, Manager oder Clubs/Veranstalter per Email mit qualitativen Hörproben im Anhang rauszuschicken, auf der anderen Seite läuft man stets Gefahr in der Masse des Angebots gnadenlos unterzugehen, denn wie wohl jeder weiß, gibt es mehr Bands als Gigs und mehr Musik als Zeit zum Hören und der Überfluss lässt ohnehin mehr Platz für Kritik!

Wie schafft man es als Künstler nun die Aufmerksamkeit gerade auf sich zu lenken? Sicher gibt es kein Rezept mit Garantie aber zumindest Ansätze, die sich in der Praxis bereits als erfolgversprechend erwiesen haben. Dazu gehören ganz simple Dinge wie:
  • Respekt
    Eine Email der Form "Hey, wir hätten Bock bei Euch zu spielen. Könnt ja mal bei Myspace reinhören, dann reden wir über die Gage" wird wohl kaum einen Club-Betreiber davon überzeugen die Band zu buchen. Und wer sich während oder nach dem Gig aufführt wie die Axt im Walde, wird sicher nicht nochmal gebucht.
  • Eigeninitiative
    Dazu gehören z.B. ein Telefonat oder sogar persönliches Gespräch im Vorfeld, Werbung in Foren etc. für den eigenen Gig, wenn er denn zustande gekommen ist, Verteilen von Flyern und Postern etc. (Veranstalter reden untereinander und empfehlen sich auch Bands gegenseitig ... raten aber auch von jenen ab die negativ auffallen).


Bis man aber seine gute Kinderstube in Sachen Respekt und Eigeninitiative bei einem Gig unter Beweis stellen kann, muß man aber ersteinmal die Hürde der Abgrenzung gegenüber der Masse überwinden, damit man den Veranstalter überhaupt anspricht.
Hierbei könnte es helfen darauf aufmerksam zu machen, das eure Musik nicht von der Stange kommt, sondern ein Nische bedient, bzw. Musikstile oder gar Kulturen vereint und in dieser Form noch nie dagewesen ist! Um das Ganze abzurunden sollte auch das Image der Band von den Texten über das Artwork bis hin zur Show stimmig sein und das Thema unterstreichen. Bands die dies sehr gut umsetzen sind meiner Meinung nach bspw.
  • Troll-Metal, Viking-Metal, Gruft-Punk usw. ... man muß ja das Rad nicht neu erfinden, aber kann man seine Musik bei kritischer Selbstreflektion eindeutig einer solchen Nische zuordnen, ist es sicher nicht schlecht ein "rundes Gesamt-Paket" um Artwork, Texte und Kostüme abzugeben. Finntroll, Tyr, Amon Amarth und viele andere Größen dieser Stile mit solch speziellen Wurzeln zeigen, dass die Fans nicht nur was für die Ohren sondern auch etwas für die Augen haben wollen. Ich wage zu behaupten, dass es kaum ein Black-Metaller im Schlabberpulli, Bluejeans und Topfschnitt auf die relevanten Bühnen der Szene bringen wird, auch wenn seine Musik noch so gut ist.
  • Maat
    Die Newcomer Maat aus Berlin nennen ihren Musikstil Egyptian Death-Metal und richten ihre Marke darauf ab vom Namen über Texte von altägyptische Mythologien, entsprechendem Artwork und aggressiven Riffs mit atmospharischen Melodiefolgen, die Bilder von Mumien und Pyramiden in die Köpfe der Zuhörer projezieren. In relativ kurzer Zeit konnten sie somit vielerorts überzeugen und schaffen bereits aus eigener Kraft den Sprung über die Grenzen Deutschlands, was den meisten anderen Bands noch nach Jahrzehnten verwehrt bleibt. Und das solche Mischungen Bestand haben können zeigen bspw. auch Nile, Behemoth oder Rotting Christ.
    Maat
  • Safkan
    Türkische Texte zu westlichem Rock - Die Osnabrücker Rock-Band Safkan, bestehend aus türkischen und deutschen Musikern, verbindet Kulturen gleich im doppelten Sinn durch exotische Rock-Musik und ein multikulturelles Line-Up und setzt damit ein Zeichen gegen "brisante" politischen Thesen jüngster Vergangenheit um Integration & Islamisierung und Sensationsjournalismus. Auch hier sind Artwork, Logo und das ganze Auftreten der Band auf das Thema Turkish-Rock ausgelegt.
    Die Band konnte in der Vergangenheit nicht nur live punkten (z.b. beim Creole-Weltmusik-Contest in Berlin) und fand mit NRD-Management einen professionellen Partner, der sie auf dem Weg nach oben tatkräftig unterstützt.
    Safkan


Mein Fazit: Gute Musik allein reicht meist nicht, um sich in die Köpfe der Menschheit einzubrennen und nicht gleich wieder in Vergessenheit zu geraten. Ein stimmiges Image der Band passend zur Musik, eine mitreissende Show und passable Manieren wenn es von Vorteil ist, gehören genauso dazu wie der professionelle Umgang mit dem Instrument.
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